MycoPanels für Zuhause: Möbel und Wandflächen aus Pilzmyzel mit Biochar-Upgrade – luftreinigend, akustisch stark, radikal nachhaltig
Warum sollten Wände nur trennen, wenn sie auch reinigen können? In Städten mit trockener Heizungsluft und steigender Geräuschkulisse suchen Wohnende nach Materialien, die mehr als nur hübsch aussehen. MycoPanels – formgepresste Platten aus Pilzmyzel, veredelt mit Aktivkohle (Biochar) und Zeolith – kombinieren VOC-Adsorption, Feuchtepufferung und Schalldämpfung in einem einzigen, nachwachsenden Bauteil. Der Clou: Sie lassen sich als Möbelfronten, Wandpaneele oder Deckeninseln einsetzen und brauchen weder Lacke noch schädliche Kleber.
Was sind MycoPanels – und warum sind sie anders?
MycoPanels werden aus dem Fasergeflecht von Pilzen (Myzel) hergestellt, das Agrarreststoffe wie Hanfschäben oder Stroh durchwächst. Nach dem Wachstum wird das Material getrocknet, verdichtet und – in unserer Variante – mit feiner Aktivkohle und Zeolith-Granulat hybridisiert. So entsteht ein leichtes, robustes und funktionales Komposit.
- Luftreinigung: Porenreiche Biochar bindet flüchtige organische Verbindungen (z. B. aus Reinigern, Klebern).
- Akustik: Offene Zellstruktur streut und absorbiert Mittel- bis Hochfrequenzen.
- Feuchte-Management: Myzel und Zeolith nehmen Wasserdampf auf und geben ihn zeitverzögert ab.
Aufbau eines MycoPanels
- Decklage: Myzelverbund mit Hanfschäben, Pressdichte ca. 210–260 kg m-3
- Funktionsschicht: 10–20 % Biochar (BET 600–900 m2 g-1) + 5–8 % Zeolith (3–5 Å Poren)
- Bindung & Finish: Chitosan- oder Kasein-Binder, optional natürliche Wachslasur (VOC-frei)
- Rückseite: Flachsgewebe als Reißschutz, mechanisch tacker- oder schraubbar
Leistungsdaten im Überblick
| Eigenschaft |
Typischer Wert |
Praxisnutzen |
| Flächengewicht |
4,8–6,2 kg m-2 bei 25 mm |
Leichtbau, einfach zu montieren |
| Akustik |
αw 0,55–0,75 (25–40 mm) |
Hallreduktion im Wohnraum, bessere Sprachverständlichkeit |
| Feuchtepuffer |
± 35 g m-2 bei 50–75 % r. F. |
Konstanteres Raumklima, weniger Spitzen |
| VOC-Adsorption |
bis 30 % Reduktion Toluol in 6 h (Testkammer) |
Wohlbefinden, weniger Gerüche |
| Brandschutz |
schwer entflammbar mit Mineraladditiv |
Für Deckeninseln und Flure geeignet |
Wo machen MycoPanels den größten Unterschied?
Flur und Treppenhaus
Schmale Räume profitieren von schallabsorbierenden Wandleisten in 20–30 cm Höhe. Sie brechen Reflexionen, ohne Stellfläche zu verlieren.
Wohnzimmer und Home-Office
Deckenwolken über dem Sitzbereich senken die Nachhallzeit und machen Video-Calls klarer – ganz ohne sichtbare Technik.
Schlafzimmer
Ein MycoPanel-Headboard hinter dem Bett dämpft Geräusche und puffert Feuchte in der Nacht. Das Finish bleibt atmungsaktiv.
Designoptionen
- Relief-Fräsungen: Wellen, Rauten oder mikroperforierte Raster erhöhen die Absorptionsfläche.
- Farbgebung: Pigmente auf Tonerdbasis, Leinöl-Lasuren oder karbonisierte Oberflächen für Espresso-Look.
- Kanten: Sichtkante gefast oder mit Flachsband eingefasst – keine PVC-Umleimer nötig.
DIY: Nachtkonsole mit MycoFront und versteckter Kabelführung
Materialliste
- MycoPanel 12 mm (Front) + 25 mm (Korpus) zugeschnitten
- Chitosan-Binder oder Kaseinleim
- Flachdübel oder Holzdübel, 6 mm
- Leinöl-Wachs, Pigment nach Wahl
- Kabeldurchlass Ø 20 mm, Rückwand magnetisch (optional)
Schritt-für-Schritt
- Zuschnitte trocken fügen, Rückwand mit verdeckter Kabelnut planen.
- Korpus mit Dübeln und Binder fügen, 12 h pressen.
- Front aufschrauben, Kanten leicht brechen (180er Korn).
- Oberfläche mit Leinöl-Wachs dünn satt einreiben, 2×.
- Konsole an Wand schweben lassen (French Cleat) – Kabel verschwinden hinter der Rückwand.
Bauzeit: ~3 h, Kosten: ~95–140 € je nach Größe.
Fallstudie: 21 m² Altbau-Wohnzimmer
- Installation: 6 m² MycoPanels, 25 mm, als akustische Wandfelder + 2 Deckeninseln
- Akustik: RT60 von 0,82 s auf 0,47 s (500–2.000 Hz)
- Raumklima: Feuchtespitzen von 68 % auf 57 % r. F. nach Kochabenden
- Luftqualität: Wahrnehmbar weniger Gerüche nach Renovierungslacken, subjektive Skala −40 %
Montage- und Pflegehinweise
- Untergrund: Eben, trocken, staubfrei; Montage mit Schrauben, Magnetleisten oder Klammern.
- Feuchträume: Nur in spritzwasserfreien Zonen, Finish mit Kasein/Chitosan + Wachs; direkte Nässe vermeiden.
- Reinigung: Trocken abstauben, bei Bedarf leicht feucht mit pH-neutraler Lösung wischen.
- Instandsetzung: Dellen punktuell anfeuchten, warm pressen; kleine Ausbrüche mit Myco-Spachtel füllen.
Pro / Contra kurzgefasst
| Aspekt |
Pro |
Contra |
| Gesundheit |
VOC-Adsorption, diffusionsoffen |
Empfindlich gegen dauerhafte Nässe |
| Akustik |
Sehr gut in mittleren Frequenzen |
Bassdämpfung begrenzt ohne Hohlraum |
| Design |
Warme, textile Haptik, frei formbar |
Natürliche Fleckungen möglich |
| Montage |
Leicht, schraubbar, DIY-tauglich |
Kanten brauchen Schutz/Finish |
| Nachhaltigkeit |
Aus Reststoffen, kompostierbar |
Reparatur erfordert passende Binder |
Kosten, Größen und Varianten
- Standardpaneel: 600 × 600 mm × 25 mm, ab ~45–60 €
- Fräsmuster: +12–25 % Aufpreis je nach Komplexität
- Möbelfronten: 12–16 mm, ab ~65 € m-2
- Brandschutz-Ausrüstung: Mineraladditiv, +8–15 € m-2
FAQ: Häufige Bedenken
- Schimmelgefahr? Das Myzel ist inaktiv (thermisch getötet) und versiegelt; bei Normfeuchte unkritisch.
- Geruch? Leicht erdig zu Beginn; verfliegt nach 2–3 Tagen oder mit Wachsfinish sofort.
- Tragfähigkeit? Als Paneel geeignet; für tragende Möbelteile Hybridbau mit Holz/Metallprofilen.
Ausblick: Adaptive MycoPanels
- Photokatalytische Schichten auf Mineralbasis für NOx/TVOC-Abbau in Tageslichtnähe.
- Sensorik (r. F., VOC) im Paneel, Daten via Thread/Matter in Smart-Home-Apps.
- Hohlraumpaneele mit austauschbaren Adsorber-Kassetten (Biochar-Refill statt Neukauf).
Fazit: Möbel und Wände, die mitdenken
MycoPanels verbinden Design, Raumakustik und Luftqualität in einem Material, das aus Reststoffen entsteht und am Ende seines Lebens kreislauffähig ist. Wer heute renoviert oder neue Möbel plant, kann mit wenigen Quadratmetern bereits hallige Räume beruhigen und Gerüche spürbar reduzieren – ohne Chemie, ohne sichtbare Technik.
Next Step: Beginnen Sie mit einem 2–3 m² Testfeld im Wohnzimmer oder einer Kopfteil-Paneelgruppe im Schlafzimmer. Dokumentieren Sie Nachhall (App), Luftfeuchte und Ihr Empfinden – und skalieren Sie erst dann auf größere Flächen.